Meinungsfreiheit 2.0 …

Hi,

ihr alle kennt sicherlich die verfassungsrechtlich gewährleistete Meinungsfreiheit. Sie räumt jedem das Recht ein, seine Meinung frei zu äußern. Teilweise wird dieses Recht allerdings auch beschnitten; dies habe ich kürzlich selbst erfahren, als ich eine ehrliche Bewertung für ein Restaurant in Köln abgeben habe:

Letztes Wochenende war ich mit meiner Freundin im „culux“ in Köln. Dort gibt es Curry-Wurst und Pommes – eine „high-class“-Imbissbude sozusagen. Wir bestellten bei der Bedienung zwei Curry-Wurst mit Pommes und Prosecco (ja, ist irgendwie hip 🙂 ). Mit großem Hunger fieberten wir unserem Essen entgegen. Unsere Enttäuschung war jedoch groß, als die Bedienung uns eine „trockene Wurst“ ohne Curry-Ketchup lieferte. Nur eine Frage zum Verständnis: Curry-Wurst ist doch immer mit Curry-Ketchup, oder? Habt ihr schon einmal in einer Imbissbude Currywurst bestellt und nur eine Wurst bekommen, so ganz ohne Curry? Wir wollten dies bemängeln, nur die Bedienung hat uns leider für eine halbe Stunde völlig ignoriert. Außerdem war die Wurst steinhart, die Pommes waren nicht durch, und die Saucen, die wir extra dazu bestellt hatten, schmeckten extrem künstlich. Ganz ehrlich: wenn man ein Restaurant führt, und man nur einzig und alleine Pommes und Wurst serviert, dann sollte es da doch keine Probleme geben, oder? Ist mir persönlich ein Rätsel. Nachdem wir unsere Mängel der Kellnerin später mitgeteilt hatten, meinte sie ganz cool: „Ihr hättet doch einfach Curry-Ketchup dazu bestellen können!“ Spitze, der Abend war gelaufen und wir haben bezahlt und sind gegangen. Aber nicht ohne uns vorher zu schwören, dieses Lokal nie wieder aufzusuchen.

Nach diesem Reinfall wollte ich weitere Passanten und Interessenten „warnen“, nicht das „culux“ zu besuchen. Man soll doch sagen können, wenn etwas schlecht ist, oder? Und dies sollte doch auch der Gesellschaft helfen, oder?

Also schrieb ich folgenden Beitrag auf qype.com:

„War sehr schlecht! Currywurst OHNE Curry-Ketchup und ohne Curry!!! Wo gibt es denn sowas? Saucen schmecken sehr künstlich, Pommes sind nicht durch und die Wurst ist so steinhart, dass man die Gabel nicht mehr aus ihr rausbekommt. Das alles gibt’s mit einer äußert frechen, inkompetenten Bedienung nur im CULUX. Direkt am Rudolfplatz. Bahnhofsatmosphäre zu Preisen, die gesalzen sind.“[1]

Außerdem vergab ich nur einen Stern für das Restaurant „culux“, was „schlecht“ bedeutet.

Einen Tag später kommt eine email von qype.com die sagt:

„[…]ich nehme Bezug auf Deinen Beitrag über „culux – curry deluxe“ und würde Dich bitten, ihn ein bisschen zu bearbeiten.

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht leider nicht immer unseren Nutzungsbedingungen, die Du hier nachschlagen kannst.

http://www.qype.com/agb.

Negative Bewertungen sind natürlich erlaubt, müssen aber sachlich geäußert werden!!!

Vergiss nicht, dass der Beitrag DEINE Meinung und keine Tatsache ausdrückt.

Falls Du diesen Beitrag bis zum 05.04. nicht bearbeitet haben solltest, wird er automatisch von uns gelöscht.

Danke. […]“

„Super“, dachte ich mir, jetzt darf ich meine Meinung also nicht auf einer „Meinungsseite publizieren? Außerdem liebe ich den Kommentar aus der email: „[…] Negative Bewertungen sind natürlich erlaubt, müssen aber sachlich geäußert werden!!!“ Man bemerke die DREI AUSRUFEZEICHEN!!!!!!!!!! (Ich hab mehr!!!!!!!!!!!! 🙂 ). Also negativ bitte nicht, nur positiv, dann muss es aber nicht mehr objektiv sein… also eigentlich bitte nur positiv. Das lese ich aus der email. Tut mir wirklich leid, aber Meinungsfreiheit ist das nicht! Ist doch klar, dass Bewertungen subjektiv sind, ist ja immer aus meiner Sicht. Außerdem lässt sich ja bekanntlich über Geschmack streiten, oder?

Schon sehr schwach (PERSÖNLICHE MEINUNG!) von qype.com, dass man keine negative Bewertung verteilen kann. Wenn man die derzeitige Marketing-Literatur anschaut, sieht man das negative Bewertung durchaus positiv für die Firma sein können, da es Feedback ist, welches die Firma zu Verbesserungszwecken nutzen kann[2]. Noch schlimmer ist aber, dass man als unzufriedener Kunde nun auch noch „mundtot“ gemacht wird. Ein verlorener, aber „schweigender“ Kunde ist am Besten für das Unternehmen. Das ist nicht richtig, ganz im Gegenteil: Jemand, der sich beschwert, hat doch meistens einen Grund. Diesem Grund sollte man nachgehen! Entweder wurden falsche Hoffnungen aufgebaut, z.B. über einen hohen Preis, der hochwertige Qualität von Produkt oder Dienstleistung vermuten lässt. Wenn man nun etwas Schlechtes bekommt, redet man von „lower Evaluations“, also Bewertungen unter dem zu erwartendem, von äußeren Faktoren, suggerierten Level. Das heißt: wenn ich in eine Imbissbude gehe, dann erwarte ich nicht viel, aber schon, dass mein Essen schnell kommt und minimalen Qualitätsanspruchen entspricht. Wenn ich aber Preise von 10 Euro oder mehr habe, steigen die Erwartungen, die man natürlich auch befriedigen muss. Wenn es nun nicht stimmt, ist man doppelt enttäuscht.

Einfach dies mitzuteilen scheint aber ein Problem für Qype.com zu sein. Seltsam, wenn es doch ihr täglich Brot sein sollte, Restaurants bewertet zu bekommen.

Mir ist nun jedenfalls klar, warum man kaum negative Bewertungen auf Qype.com findet. Da kann man leider nur sagen: so funktioniert das System mit den Bewertungen von Restaurant leider nicht. Also immer doppelt checken und hinterfragen, was die tollen Bewertungen bei Qype.com eigentlich sagen. Eine tendenzielle positive Befangenheit scheint dort zu existieren, und wer weiß wo auch noch anders?

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wo? Schreibt einfach einen kurzen Kommentar. Ich würde mich freuen.


[2] Weitere Informationen dazu z.B. in: Smith, Amy K. and Ruth N. Bolton (1998), “An Experimental Investigation of Customer Reactions to Service Failure and Recovery Encounters: Paradox or Peril?” Journal of Service Research, 1 (1), 65–81.

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3 Gedanken zu „Meinungsfreiheit 2.0 …

  1. Anonymous

    zum thema currywurst: ich hatte im frankfurter culux mal nachgefragt, da auf der karte 2x currywurst mit unterschiedlichen preisen aufgelistet war. auch hier hieß es , daß eine currywurst auch trocken (oder hier in hessen „nagisch“ 😉 serviert werden kann. glaube nicht, daß es das in einer berliner currywurstbude gäbe, sondern eher auf die möglichkeit, andere saucen bei culux auszuwählen, zurückzuführen ist.

    ansonsten hab ich mit dem culux in frankfurt sehr gute erfahrungen gemacht, der service ist meist gut und hängt eher von den launen der bedienung ab. aber schmecken tuts da auf jeden fall immer gut! hast du denn schon öfters schlechte erfahrungen in dem kölner ding erlebt?

    ansonsten ist das mit qype mal voll fürn a****. fand die seite eh nie so toll. aber mal im ernst: woher wissen wir, daß irgendwelche product reviews auf dooyoo, ciao und wie die seiten heißen, nicht auch von einigen fleißigen mitarbeitern der jeweiligen firma bearbeitet werden? da werden solche seiten halt doch als werbemittel und nicht als kundenfeedback genutzt…

    d./themanwiththeredcase

    Antwort
  2. Anonymous

    dein verhalten finde ich in jedem fall richtig!
    das qype keine negativ bewertungen akzeptiert ist skandalös, aber wohl leider die gängige geschäftsphilosophie solcher serviceseiten.
    ich persönlich nutze solche seiten so gut wie gar nicht, eben aus solchen gründen und weil ich mir lieber eine eigene meinung bilde. ich würde an deiner stelle qype nicht mehr benutzten und mich dort auch abmelden und darüberhinaus auch in meinem freundeskreis darum werben diese seite nicht zu benutzten. the consumer is mighty – if he wants to be 😉

    Antwort
  3. Jennifer

    Ich kann dich nur in dem unterstützen, was du geschrieben hast. Auch ich bin recht aktiv auf Qype und schreibe meine ehrliche Meinung zu Locations. Eine Plattform wie Qype macht auch nur dann Sinn, wenn die User die Locations EHRLICH bewerten – ansonsten könnte man sich das Ganze sparen und einfach eine Werbeplattform für Restaurants, Bars und Cafés einrichten. Leider musste auch ich schlechte Erfahrungen mit Qype sammeln: Bis vor Kurzem hatte ich ein Foto von mir im Profil angelegt. Als ich eine Café nur mittelmäßig bewertete, wurde ich dort darauf angesprochen und gebeten, diesen Kommentar zu löschen. Es sei geschäftsschädigend. Dabei hatte ich nur geschrieben, dass der Service etwas aufmerksamer sein sollte. Ich habe mich nun dazu entschieden, mein Foto aus dem Profil zu nehmen da ich keine große Lust habe, mich in sämtlichen Locations für meine ehrliche Meinung zu rechtfertigen.

    Antwort

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